Israelreise – Danke


Israelreise.

Vorbei.

Vorbei?

Was so alles hängen bleibt.

Ich will mir gar nicht ausmalen, was die anderen in sich alles aufbewahren müssen während der Heimreise und danach. Ist doch für die meisten das erste Mal dort.

Wie haben sie es wohl aufgefasst?

Was haben sie gedacht, was denken sie jetzt und wie geht es weiter?

Nein, nicht was sie sagen. Worte, aufgeputschte Worte, tückische Sätze. Wie Luftschlangen, schön in der Packung, und wenn du sie einmal ausrollst, sind sie nicht mehr fassbar.

Ich will reden.

Die Wortschlangen im Kopf loswerden. Nein, ich habe nichts Schlimmes erlebt. Ich habe ein brennendes Bedürfnis, all das Schöne zu teilen, das ich auf dieser Reise aufsammeln konnte. Alles, was neu war und was weiterging.

G-tt, ist das alles viel. G-tt, ist das alles unübersichtlich und viel. Und dann so klar, so lebhaft.

Die Erinnerungen sind in mir so lebhaft, wie die Realität traumartig war, als ich noch dort verweilt habe. Nicht zu fassen. Wie so etwas bloß zustande kommt.

Ich versuche, meine Gedanken mit Musik zu begleiten. Zu untermalen, zu stärken oder zu lösen.  Wie würde es wohl Barak [Oded, Chorleiter Kochav Yair] machen? Sich in der Musik auflösen? Ich habe es versucht, aber der Flug ist lastend und es ist mir nicht gelungen. Was mir stattdessen passiert ist, ich bin eingeschlafen, einfach auf der Stelle im Flugsessel, und habe von meinem Abflug geträumt. Als ich aufwachte, war ich immer noch da. Das machte es etwas schwerer für mich…

Barak. Ein Stichwort. Ein Lichtwort. Aber bei Weitem nicht nur er. Nein. Alles war Licht. Nicht nur Funken der Schönheit, wie ich nach ihr immer suche im Galut, im Exil – außerhalb Israels. Diese eine Woche durfte ich eintauchen in Schönheit, in Fülle, in Menge von alledem was ich liebe und (ver-)ehre. Ich habe gelebt, wo ich sollte, mit denen, mit wem ich sollte.

Ach, ich weiß nicht, wie das nennen. Ich habe ein volles Leben geführt für eine kurze Woche. Eine Echtheit, eine Wahrheit war da, die irgendwie „nicht wahr“ sein konnte.

Wie beschreibt man das. Eine unglaubhafte Wahrheit. Eine geträumte Echtheit.

 Die anderen werden zu ihrem Leben zurückkehren, sie haben es leichter, die meisten von ihnen. Das ist gut für sie. Sie waren zu Besuch. Wie schön kann Besuch sein.

Im Gegensatz dazu war ich gerade zuhause. Und jetzt gehe ich wieder weg, gehe wieder weit fort, gehe arbeiten, zu Besuch, in die Wartehalle, nenne es wie du willst.

Im Hinblick darauf ist das also nicht so gut für mich. Aber so ist es nun mal. So war es immer gewesen.

Gut ist, wenn man seinen Gefühlen Lauf lässt. Wenn man seine Gedanken irgendwie realisieren kann. Irgendwie in die Wirklichkeit holen. Durch Musik – wie Barak, wie Katja, wie jeder Musiker. Durch Worte – wie ein Schriftsteller, ein Reporter, ein Dichter. Gut, dass ich wieder damit angefangen habe, zu schreiben. Etwas hielt mich einfach davon ab während der ganzen Reise.

Das muss nicht sein.

Schreiben muss sein. Selbst wenn Worte Schlangen sind, einmal gelöst, nie mehr gefangen, sinnlos in der Gegend verstreut. Aber das Innere fühlt sich befreit…

Verstehst du, Israel ist ein Meer, es ist so voll von  Einzelheiten, dass ein einzelner Blick, eine Geste, eine Mimik, ein Windhauch in Erinnerung bleiben kann. Wenn man auf all die Einzelheiten Acht gibt, mit denen Israel übersättigt ist. Wenn man sich ihnen öffnet und sie abwartend und neugierig aufnimmt und zu ihnen eine Beziehung herstellen will. So die Dinge, so die Orte, so die Menschen. Sie überschütten dich mit Aufmerksamkeit, Hinwendung, Zuneigung, lässt du dich auf sie ein. Das ist Leben. Das ist pures Leben. Reaktion. Kreativität. Fruchtbarkeit. Richtung und Dynamik. Ein Welle, die dich mitführt. Sie zu kopieren in einer anderen Welt ist ein sinnloses Unterfangen, und ohne sie zu leben erscheint mir lebensfeindlich. Das ist doch der Mensch!

Das Volk Israel ist der Mensch in seinem wahrsten Sinne – und mit ihm alle, die sich auf es einlassen.

Danke. Wofür? Für das Kostbarste, das ich habe, das Menschsein, das Leben.

Für Israel.

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